Ansprache zur Eurythmie

GA 277d/1923-07-21/p015 ·1923-07-21 · original (original)
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Gerade die richtige Kunst des Rezitierens und Deklamierens, sie zeigt, wo eigentlich das Wesen der Dichtung liegt. Denn das Wesen der Dichtung findet nur derjenige, der mit vollem innerem Verständnis mit dem Dichter zu sagen weiß: «Spricht die Seele, so spricht, / ach, schon die Seele nicht mehr.» Wenn die Scele auf die Lippen kommt, in unsere Worte hinein, die längst ihren Zusammenhang mit dem Wesenhaften der Welt verloren haben, dann haben wir Prosa, dann haben wir nicht mehr Dichtung. Wir finden erst die Dichtung wiederum, wenn wir zurückgehen zu der Art und Weise, wie sich, ich möchte sagen in großen und kleinen Wellen, in schwingenden Wellen und in eckigen Wellen die Laute und die Worte im Vers, in der Strophe bewegen, wie sich die Imagination durch den Jambus oder den Trochäus oder dergleichen hindurchzieht; wenn wir das Bild, die Imagination gewinnen oder wenn wir gewinnen, wie der wirkliche Dichter sucht, durch Takt, Rhythmus, durch das melodische Thema aus der Sprache Musik herauszuschlagen. Dann sind wir zu dem, was über den Worten liegt, gekommen, was in den Worten künstlerisch gestaltet, während man heute im Rezitieren und Deklamieren vielfach eine bloße Prosapointierung sucht, wenn auch, wie gesagt, schon eine Reaktion eintritt.

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