Ansprache zur Eurythmie
Das tun wir, solange wir beim Gedanken bleiben. Geht uns das Bild für den Gedanken auf - und das kann es beim Worte -, dann haben wir eine andere Aufgabe, als bloß die Pulsation des Blutes aufzurufen zur Bewegung. Sprechen wir ein z aus - wir sprechen es heute aus, ich möchte sagen mit äußerstem Phlegma. Es ist halt ein i, es ist halt der Buchstabe, der in so und so vielen Worten drinnen ist. Aber so ist es nicht ursprünglich gewesen, als das : innerhalb der Menschheit entstanden ist, so ist es nicht, indem das i sich wirklich losringt aus dem Wesen des Menschen. Wer das : fühlt, fühlt, wie es durch den Atem geht und wie der Atem sich vergeschwistert mit der Blutpulsation, der weiß, dass, indem das i ausgesprochen wird, der Mensch seine Wesenheit selber in den Raum hineinstellt. Während, wenn er das e ausspricht, er das Gefühl hat, Geistiges geschieht in ihm. Wenn er das o ausspricht, muss er das Gefühl, das Bild haben: Geistiges offenbart sich vor ihm. Jeder einzelne Laut gestaltet sich um vor demjenigen, der die Sprache fühlen kann, zum Bilde, zum Bilde, das in ganz bestimmter Gestalt vor einem dasteht. Die Sprache selber ist voller Gefühl, indem man von dem einzelnen Laut zu dem anderen übergeht. Wir haben nur im Laufe der Zivilisation verloren jenes innerliche Jauchzen, das wir bei gewissen Worten haben sollten. Es ist still geworden, gleichgültig geworden. Der Mensch ist gewissermaßen in seinem Seelenwesen sauer geworden.
Cite:
GA 277d/1923-07-21/p018 · edition original