Ansprache zur Eurythmie

GA 277d/1923-07-22/p018 ·1923-07-22 · original (original)
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Und so gibt es entweder musikalische oder plastische Bilder, welche sich uns vor die Seele hinstellen, wenn wir in die Intimitäten der Sprache hineingehen wollen. Und wenn wir diese Bilder verstehen, dann kommen wir erst dazu, jene wunderbare Verbindung zu durchschauen, die zwischen unserem ganzen Seelenleben, unserem ganzen Gemütsleben und der Sprache besteht. Und wir lernen ja erst erkennen, wie im Grunde genommen das gewöhnliche Sprechen auf der einen Seite im Menschen bis zum Denken geht, auf der anderen Seite aber physisch hinuntergeht bis zur Blutzirkulation. Denn wenn auch selbstverständlich es nicht so ist, dass man am Puls grob abfühlen kann, wie dieser Puls sich verändert beim i- und beim u-Sprechen, so ist die Veränderung dennoch im Kleinen vorhanden. Man könnte geradezu von einer mikroskopischen - Sie wissen, es ist das bildlich gemeint -, von einer mikroskopischen Veränderung des Pulses sprechen, wenn der Mensch ganz durchfühlt dasjenige, was im Verlaufe eines Wortes, eines Satzes die Seele erlebt, indem sie in die Intimitäten der Sprachlaute oder der Gesangstöne hinein sich lebt. Wir müssten suchen jene Bewegungen, die entsprechen dem gewöhnlichen Sprechen oder Singen, die also den Gedanken, der eigentlich ein unkünstlerisches Element ist, in sich tragen, wir müssten suchen diese menschliche Bewegung im menschlichen Blute.

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Cite: GA 277d/1923-07-22/p018 · edition original