Ansprache zur Eurythmie
Wir sehen daher, wie der Dichter wahr machen will in seinem eigenen künstlerisch-dichterischen Bestreben dasjenige, was er sagt: «Spricht die Seele, so spricht, / ach, [schon] die Seele nicht mehr.» Das heißt: Im Sprechen wird das Seelische ein Äußerliches nach zwei Seiten hin - nach Seiten der Abstraktion und nach Seiten der Nützlichkeit. Aber der dichterische Künstler bringt das auf der einen Seite nach dem einen Pol hin ins Abstrakte tendierende Sprechen, auf der anderen Seite ins Nützliche hintendierende [Sprechen] wieder in ein gewissermaßen sich fortwährend auflösendes und wiederherstellendes Gleichgewicht in dem imaginativen und in dem rhythmisch-musikalischen Elemente der Sprache. Er gestaltet die Sprache, indem er sich ein imaginatives Anschauen - wenigstens annähernd - verschafft von der innerlichen Wesenheit der Natur des Lautlichen und auch von dem Gang des Sprechens in Rhythmus, Takt, in melodiösem Thema. Denn nur so viel ist an der Sprache künstlerisch, als in ihr Musikalisches oder - wenn man das Wort in breiterem Sinne gebraucht - Plastisches ist.
Cite:
GA 277d/1923-07-29/p007 · edition original