Ansprache zur Eurythmie
Derjenige, der heute nur sozusagen in dem, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf «Zivilisationselemente» der Sprache lebt, für den ist eigentlich der Laut etwas Abstraktes eben. Er hat nicht mehr die ganze Seele beim Laute dabei. Man erlebt nicht mehr, wie die Sprache eigentlich aus der Seele ursprünglich dadurch herausgeholt worden ist in der Menschheitsentwicklung, dass der Laut als solcher der Ausdruck des Gefühlsgehaltes, des Gefühlserlebnisses der Seele ist. Wir empfinden es eigentlich heute nur noch in den Empfindungslauten, in den Interjektionen, wenn wir das Staunen in einem «ach» oder «o» zum Ausdrucke bringen, wenn wir das In-unsGefasstsein kapiert haben desjenigen, was sich so fühlen lässt- wenn wir etwas kapiert haben -, was sich in dem i zum Ausdrucke bringen lässt. Dieses Malerische des Lautes, das ist aber wiederum aufzuwecken, wenn man eben aufs Imaginative und Musikalische zurückgeht.
Cite:
GA 277d/1923-07-29/p008 · edition original