Ansprache zur Eurythmie

GA 277d/1923-07-29/p009 ·1923-07-29 · original (original)
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Dann aber sieht man, wie die Sprache sozusagen das Vorstellungsleben bevorzugt und Gemüt und Wille in das Vorstellungsleben hineingießt. Sodass in der Behandlung der Sprache, in der Art und Weise, wie der Mensch spricht, das sonst neutral, abstrakt hinlaufende Sprechen im Gemüt und Gefühl durchlebt, vom Willen durchwellt wird. Und inwieferne in dem Lautlichen das Gefühlsmäßige lebt, das Willensmäßige wellt, inwiefern das stattfinden kann, das muss dem Dichter gelingen, in seiner Sprachbehandlung zum Ausdrucke zu bringen. Sonst haben wir es nicht mit einer wirklichen dichterischen Kunst zu tun. Und neunundneunzig Prozent von alledem, was gedichtet ist - ganz gering gerechnet -, ist ja keine Dichtung, keine künstlerische Dichtung, sondern ist eben doch nur aus einer abstrakt gefühlten Sprache geboren, ist eigentlich mehr oder weniger Vorstellungssache, das heißt im Grunde genommen unkünstlerisch.

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