Ansprache zur Eurythmie
Und so, meine sehr verehrten Anwesenden, kann man sehen, wie versucht wird, ein Künstlerisches zu schaffen in der Eurythmie aus Ausdrucksmitteln heraus, die eben weniger zugänglich waren der Menschheit. Die heutige Seelenlehre spricht ja überhaupt nur von Vorstellungen, höchstens noch von Gefühlsbetonungen. Der Wille bildet ein sehr untergeordnetes Kapitel. Aber das eigentlich Reale im Menschen ist der Wille, nur eben der gestaltete Wille, nicht der unbestimmte, blinde Wille, der in den Philosophien des 19. Jahrhunderts eine Rolle gespielt hat. Und man wird die Eurythmie empfinden als einen ästhetischen Ausdruck der menschlichen Natur, wenn man sich sagt: Wenn man den Menschen betrachtet und anschaut, wie sein Wille auf dem Umweg durch seine Beine und Füße nun in der äußeren Welt prosaisch zum Ausdrucke kommt, so achten wir in der Regel wenig darauf, wie der Mensch in diesem Falle seine Bewegungen ausführt, seine Bewegungsglieder formt und gestaltet. Wir sagen zwar, der eine Mensch hat einen schönen Gang, der andere einen weniger schönen Gang. Allein - es nimmt uns so sehr in Anspruch das Beziehen desjenigen, was die Beine tun auf die Nützlichkeit, auf den Zweck, dass wir sozusagen die Schönheit des Ganges nur als eine Lebenszugabe nehmen.
Cite:
GA 277d/1923-07-29/p017 · edition original