Vortrag zur Eurythmie

GA 277d/1923-08-26/p009 ·1923-08-26 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Gewiss, die Künste sind dann in ihrer Entwickelung zumeist so fortgefahren, dass sie naturalistisch geworden sind, dass die ursprünglichen Impulse verloren gegangen sind und eine Art äußerer Nachahmung eintrat. Also bei dieser äußeren Nachahmung liegt eben niemals der Ursprung der Künste. Heute - ich will nur beispielsweise dies anführen - denkt man ja zunächst daran, wenn man zum Beispiel als Bildhauer oder Maler das menschliche Selbst wiederzugeben hat, wie man diese Wiedergabe nach dem Modell besorgt. Es ist durchaus nachweisbar, dass die Bildhauerkunst auf ihrer Höhe innerhalb Griechenlands nicht dadurch entstand, dass man nach einem Modell arbeitete, also gewissermaßen den äußeren Sinnenschein nachahmte, sondern innerhalb desjenigen Zeitalters, in dem gerade die Blüte der griechischen Plastik entstanden ist, fühlte der Mensch noch etwas in sich von seinem Ätherleib, von diesem Ätherleib, der die eigentlich gestaltenden und Wachstums-Kräfte des Menschen enthält. In der besten Griechenzeit findet der Mensch, was es heißt, mit Hilfe des Ätherleibes einen Arm und eine Hand in eine gewisse Attitüde zu bringen, und er empfand die Muskelhaltung und Muskelstellung bei dieser Attitüde. Er erlebte innerlich gewissermaßen die Weite des Armes, die Streckkraft des Armes, die Streckkraft der Finger. Und dieses innerliche Erlebnis, das gab er durch seinen Stoff, durch die äußere Materie wieder. Es war also dasjenige, was der griechische Plastiker der Materie anvertraute, innerliches Erlebnis, nicht äußerlich mit den Augen Angeschautes - da geht diese Linie, diese Fläche, was man dann in den Ton oder in das Plastilin hineinschmierte -, sondern es war tatsächlich sein inneres Erlebnis, das nachgeschaffen war den schaffenden Kräften der Natur und das anvertraut wurde dem äußeren Stoff.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/277d/1923-08-26/p009.json
Cite: GA 277d/1923-08-26/p009 · edition original