Vortrag zur Eurythmie
Das ist das Wesentliche: In der Sichtbarkeit wird gesungen, wird gesprochen. Und man kann auch sagen, dass dies alles wirklich aus der inneren Organisation des menschlichen Wesens hervorgehen kann. Derjenige, der sagt: Mir ist Sprache, mir ist die Musik genug, warum soll man noch irgendwie weiter ausdehnen das Künstlerische, ich verlange nach keiner Eurythmie - der hat natürlich von seinem Standpunkte aus recht. Man hat ja immer recht, wenn man auch ein Philister ist, von seinem philiströsen Standpunkte aus. Warum denn nicht einen solchen Standpunkt haben? Alles hat seine gewisse Berechtigung, sicher; aber ein künstlerischer Standpunkt, ein wirklich innerlicher Standpunkt ist das nicht, denn derjenige, der eine wirkliche künstlerische Natur ist, hat alles Interesse daran, dass die Kunst so weit reiche, wie nur irgend möglich. So wie dem Bildhauer das Erz, der Ton, der Marmor sich ergeben, wie sich dem Maler die Farben ergeben, wenn sich die aus der Natur hervorgeholte, auf natürliche Weise entwickelte Eurythmie als ein Kunstmittel ergibt, so hat derjenige, der eine künstlerische Natur ist, ich möchte sagen den intensiven Enthusiasmus, die Kunst wirklich auch auf dieses Terrain hin zu verbreiten.
Cite:
GA 277d/1923-08-26/p042 · edition original