Ansprache zur Eurythmie
Nun kann man schon sagen: Es gibt, wenn ein wirklicher Dichter eine Dichtung macht, außer dem, was er in die Worte hineinlegt, dahinter noch etwas. Gewiss, viele Menschen hören sich Dichtungen wie Prosaausdruck an, dem Inhalte nach. Die haben überhaupt keinen Begriff von Dichtungen, aber es liegt etwas hinter jeder Dichtung, die ein Kunstwerk ist, was man mit einem Worte nennen kann: Begeisterung. Das liegt einmal hinter der Dichtung: Begeisterung. Ja, meine sehr verehrten Anwesenden, wo steckt die Begeisterung? Man mache sich nur einmal klar, in welcher inneren Verfassung man als Mensch steckt, wenn man begeistert ist, begeistert in Traurigkeit oder begeistert in Freudigkeit. Und man denke sich nun, der Dichter erlebt irgendeine Situation, irgendetwas. Er will es eigentlich ausdrücken, indem er seinen ganzen Menschen bewegt. Er will leben in seinem ganzen Menschen. Das kann er nicht, das muss er unterdrücken. Nach außen will es, es geht aber nach innen: Da ist es die Begeisterung, da geht es weiter, modifiziert sich, wird Laut oder Ton.
Cite:
GA 277d/1924-04-21/p012 · edition original