Eurythmie-Aufführung

GA 277d/1924-05-04/p014 ·1924-05-04 · original (original)
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Und gerade bei zivilisierten Sprachen ist eigentlich die Sprache konventionell geworden. Sie ist der abstrakte Ausdruck der Erkenntnis und der abstrakte Ausdruck des sozialen Lebens. Daher sagt der Dichter mit Recht: «Spricht die Seele, so spricht, / ach, schon die Seele nicht mehr.» Aber wenn wir übergehen zu der sichtbaren Sprache, oder mit der sichtbaren Sprache anfangen, dann spricht nur allzu deutlich die Seele. Und eigentlich kann man sagen: Dasjenige, was der Dichter dadurch hineingeheimnisst in seine Dichtung - sagen wir dadurch, dass er ein Metrum gebraucht, das Jambische oder Trochäische, dass er eine bestimmte Aufeinanderfolge von Lauten gebraucht, die Sie sehen als ein Melos wirken: All dieses Gestaltende, dieses Formelle, dieses eigentlich Künstlerische, das wird in der Eurythmie zum Ausdrucke gebracht. Sodass durch den bewegten Menschen zum Ausdrucke gebracht wird die [sich] in sich regende Seele, die Seele, die das Tiefste ihres Inhalts mitteilen will. Die schweigende Seele, die ruhende Seele, die kommt in der Plastik, in der Bildhauerei zum Ausdruck. Und man hat eigentlich in der Eurythmie eine bewegte Plastik, eine bewegte Bildhauerei.

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Cite: GA 277d/1924-05-04/p014 · edition original