SECHSTER VORTRAG

GA 278/1924-02-25/p011 ·1924-02-25 · original (original)
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Warum wird denn eigentlich in der modernen Zeit ein so starker Drang entwickelt, vom rein Musikalischen abzugehen? Es kommt ja manchmal etwas ganz Schönes zum Vorschein, wenn vom rein Musikalischen abgegangen wird; aber warum kommt denn dieser Drang so stark zum Ausdruck, vom rein Musikalischen abzugehen? Er kommt deshalb so stark zum Ausdruck, weil der moderne Mensch allmählich in eine Seelenverfassung hineingekommen ist, in der er nicht mehr träumen kann, in der er auch nicht mehr meditieren kann, in der er nichts hat, was von innen ihn in Bewegung bringt, sondern er will sich immer von aussen in Bewegung versetzen lassen. Aber das In-Bewegung-Versetzen von aussen kann niemals eine musikalische Stimmung abgeben. Und damit völlig die moderne Zivilisation den Beweis liefern könnte, dass sie unmusikalisch ist, hat sie zu einem drastischen Mittel gegriffen. Es ist wirklich so, als ob die moderne Zivilisation in ihrem verborgenen inneren Seelischen den klarsten Beweis hätte liefern wollen, dass sie unmusikalisch ist. Und sie hat diesen Beweis geliefert, indem sie zum Film gekommen ist. Denn der Film ist der klarste Beweis dafür, dass derjenige, der ihn liebt, unmusikalisch ist, weil der Film darauf ausgeht, nur dasjenige in der Seele gelten zu lassen, was nicht aus dem Inneren dieser Seele heraussteigt, sondern was von aussen veranlasst ist.

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Cite: GA 278/1924-02-25/p011 · edition original