SECHSTER VORTRAG
Natürlich kann man heute noch nur ausserordentlich schwer zu der Menschheit sprechen über dasjenige, was die Geisteswissenschaft vermitteln soll. Indem ich zum Beispiel die Aufeinanderfolge der Weltentwicklung, Saturn, Sonne, Mond und so weiter geschildert habe, haben die Leute gerade das als das Wichtige genommen, was mir nicht das Wichtige war. Gewiss, es ist schon richtig, dass die Vorgänge auf dem Saturn so waren, wie ich sie geschildert habe, aber das ist ja nicht das Wesentliche, sondern das Wesentliche ist die innere Bewegung, die dabei geschildert wird. Und ich habe mich immer recht sehr gefreut, wenn jemand gesagt hat, er möchte dasjenige, was da geschildert worden ist als Fortgang von Saturn, Sonne, Mond, musikalisch komponieren. Da muss er natürlich manches weglassen, muss weglassen, wenn ich Farbiges schildere, muss weglassen, wenn ich Wärmeerscheinungen schildere auf dem Saturn, muss weglassen, wenn ich gar Gerüche auf dem Saturn schildere, denn ausser der «Geruchsorgel»* haben wir ja keine musikalischen Instrumente, die auf Gerüche gehen, nicht wahr! Trotzdem würde sich gerade in der Saturnentwicklung das Wesentliche ganz wohl musikalisch ausdrücken lassen, liesse sich komponieren.
Cite:
GA 278/1924-02-25/p022 · edition original