SECHSTER VORTRAG
Sehen Sie, solche Verzweiflungen, die begreift eigentlich der heutige Mensch sehr schlecht. Unter den mannigfaltigen Leuten, die sich in der Waldorfschule für Lehrstellen anmelden, sind auch Zeichenlehrer. Ja, die haben etwas gelernt, was man dort nicht brauchen kann: zeichnen. Einer sagt: ich kann zeichnen. Ja, das gibt`s ja gar nicht. Das ist ein &haden, wenn man irgendwie an die Kinder etwas heranbringt, was Zeichnen ist - Zeichnen, das gibt`s ja gar nicht! Und wenn Sie nun zu solchen Auffassungen vom Auslöschen Ihrer Linie kommen in der Eurythmie, dann kommen Sie eben mit der Auffassung des Musikalischen im Eurythmischen erst recht in das Künstlerische hinein. Versuchen Sie daher überall, wo Übergänge sind, irgendwie, ohne es wiederum zum Schema zu treiben, eine in sich laufende Bewegung zu entwickeln, wo Sie also den Zuschauer nötigen, wiederum zurückzugehen, so dass er sich sagt: der war ja schon weiter, jetzt geht er wieder zurück. Er sagt das alles unbewusst - aber in dem Momente wird der Zuschauer genötigt, aus dem Sinnlichen ins Geistige hineinzugehen, wo das Sinnliche überall ausgelöscht ist.
Cite:
GA 278/1924-02-25/p039 · edition original