Eurythmie als sichtbare Sprache Erster Vortrag

GA 279/1924-06-24/p038 ·1924-06-24 · original (original)
Record: stenogram (shorthand transcript). Shorthand transcript taken during the lecture — the strongest kind of lecture record in this corpus. Evidence: «Das Stenogramm wurde neu übertragen» (The shorthand transcript was transcribed anew). The publisher's description of the 2019 edition, as mirrored on AnthroWiki (GA 279). The translation is the maintainer's, not a published one.

Denken Sie nur, wie wir Abstraktlinge geworden sind, wie schrecklich verschrumpelte Menschen; so wie wenn ein Apfel oder eine Pflaume ganz verschrumpelt ist, so sind wir in bezug auf das Erleben der Sprache geworden. Denken Sie doch nur einmal, wir reden so hin, haben keine Ahnung, wenn ein a irgendwo ist und wir halten es -wir tun es fortwährend -, wie wir da, wenn wir vom a zum e gehen, von dern Erstaunen gehen zu dern : Es hat mir etwas getan, ich spüre es, es hat mir etwas getan. - Fühlen wir es dern i an, was es ist, dieses Neugieriggewesensein und dann Daraufgekommensein; fühlen Sie es nur dern Vokal an, überall liegt ein wunderbares, ganz kompliziertes Erlebnis zugrunde. Man bekommt da den Eindruck eines frischen, ursprünglichen Menschen, wenn man nur die fünf Vokale nacheinander auf sich wirken läßt. Der Mensch gebiert sich eigentlich in seiner Würdigkeit wieder, wenn er diese fünf Vokale mit vollem Bewußtsein, das heißt, aus seinem Inneren mit völliger Bewußtheit herauskommen läßt. Deshalb sage ich : Wir sind so verschrumpelt, und wir haben nur noch dasjenige vor uns, was es bedeutet, gar nichts mehr vom Erlebnis, nur was es bedeutet; Wasser - bedeutet etwas und so weiter. Ganz verschrumpelt sind wir.

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