1. Die Sprachgestaltung als Kunst

GA 282/1924-09-05/p039 ·1924-09-05 · original (original)
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Diese Sprache war eigentlich etwas Wunderbares. Abgesehen davon, daß der Mensch von vornherein veranlaßt sich gesehen hat, im Rhythmus, im Takt zu sprechen, sogar in Assonanz und Alliteration zu sprechen, abgesehen davon war es in dieser Ursprache so, daß der Mensch in der Sprache fühlte und in der Sprache dachte. Das Gefühlsleben der Urmenschheit war so, daß man nicht solche abstrakten Gefühle hatte wie heute, sondern daß in dem Augenblick, wo man ein Gefühl hatte, und sei es auch das intimste Gefühl, man sogleich zu irgendeiner Sprachgestaltung kam. Man konnte in alten Zeiten nicht zärtliche Gefühle, sagen wir, für ein Kind entwickeln, ohne diese zärtlichen Gefühle durch den eigenen seelischen Impetus in der Sprache zu gestalten. Es würde keinen Sinn gehabt haben, von einem Kinde bloß zu sagen: Ich liebe das Kind zärtlich -, sondern es hätte vielleicht einen Sinn gehabt, wenn man gesagt hätte: Ich liebe das Kind so eiei-ei. - Es war immer das Bedürfnis, das ganze Gefühl zu durchdringen mit Sprachgestaltung.

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Cite: GA 282/1924-09-05/p039 · edition original