11. Gebärde und Mimik aus der Sprachgestaltung heraus

GA 282/1924-09-15/p027 ·1924-09-15 · original (original)
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Nehmen Sie an, Sie lassen sich von jemandem vorlesen - nun, sagen wir, es würde ein Lustspieldichter in sein Stück eine kleine Szene hineinbringen, die sich einmal in Österreich abgespielt hat, wo eine Gesellschaft in Reichenau gesessen hat und aus einer gewissen lustigen Stimmung heraus dort den Nachweis bringen wollte, daß der Redakteur des «Wiener Fremdenblattes», der noch dazu ein Verwandter von Heine war, ein ganz großer Dummkopf sei. Da beschloß diese Gesellschaft in Reichenau, folgendes Telegramm aufzusetzen, um dann am nächsten Tage zu sehen, ob der Heine so dumm sei, dieses Telegramm aufzunehmen, oder so gescheit noch, daß er es nicht aufnähme. Das könnte man ja ganz gut in ein Lustspiel umarbeiten. Das Telegramm lautete: Die Gemeinde Reichenau hat beschlossen, die Raxalp abzutragen, damit der Erzherzog - der immer dort wohnte - einen freien Ausblick in die grüne Steiermark hat. - Am nächsten Tag erschien das Telegramm wörtlich im «Wiener Fremdenblatt». Einige hatten gewettet, daß er es nicht tun werde; aber diejenigen, die gesagt haben, der Heine ist so dumm, daß er auch das aufnehmen wird, haben mit ihrer Wette gesiegt.

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Cite: GA 282/1924-09-15/p027 · edition original