{"corpus":"steiner","locus":"GA 284/1907-10-21/p015","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Zwischen je zwei dieser Siegel befand sich im Kongreßraume eine der sieben Säulen, welche in der zweiten Serie der Bilder wiedergegeben sind. In den Kapitälern dieser Säulen sind, wie oben bereits angedeutet, Erfahrungen des «Sehers» (was auf diesem Gebiete eigentlich nicht mehr ein passender Name ist) in der «geistigen Welt» dargestellt. Es handelt sich um die Wahrnehmung der Urkräfte, welche in geistigen Tönen bestehen. Die plastischen Formen der Kapitäler sind Übersetzungen dessen, was der «Seher» hört. Doch sind diese Formen keineswegs willkürlich, sondern so, wie sie sich auf ganz natürliche Art ergeben, wenn der «sehende Mensch» die «geistige Musik» (Sphärenharmonie), die sein ganzes Wesen durchströmt, auf die formende Hand wirken läßt. Die plastischen Formen sind hier wirklich eine Art «gefrorener Musik», welche die Weltgeheimnisse zum Ausdruck bringt. Daß diese Formen als Säulenkapitäler auftreten, erscheint für den, welcher die Sachlage durchschaut, wie selbstverständlich. Die Grundlage der physischen Entwickelung der Erdenwesen liegt in der geistigen Welt. Von dort aus wird sie «gestützt». Nun beruht alle Entwickelung auf einem Fortschreiten in sieben Stufen. (Die Zahl sieben soll dabei nicht als Ergebnis eines «Aberglaubens» aufgefaßt werden, sondern als der Ausdruck einer geistigen Gesetzmäßigkeit, wie die sieben Regenbogenfarben der Ausdruck einer physischen Gesetzmäßigkeit sind.) Die Erde selbst schreitet in ihrer Entwickelung durch sieben Zustände, die mit den sieben Planetennamen bezeichnet werden: Saturn-, Sonne-, Mond-, Mars-, Merkur-, Jupiter- und Venuszustand. (Über den Sinn dieser Sache vergleiche man meine «Geheimwissenschaft» oder die Aufsätze «Aus der Akasha-Chronik» in «Luzifer-Gnosis».) Doch nicht allein ein Himmelskörper schreitet in seiner Entwickelung so vorwärts, sondern jede Entwickelung durchläuft sieben Stufen, die man im Sinne der modernen Geisteswissenschaft mit den Ausdrücken für die sieben planetarischen Zustände bezeichnet. In der oben gekennzeichneten Weise sind die geistigen Stützkräfte dieser Zustände durch die Formen der Säulenkapitäler wiedergegeben. Man wird aber zu keinem wahren Verständnisse dieser Sache kommen, wenn man nur die verstandesmäßige Erklärung beim Beschauen der Formen zugrunde legt. Man muß £ünszlerisch-empfindend sich in die Formen hineinschauen und die Kapitäler eben als Form auf sich wirken lassen. Wer dies nicht beachtet, wird glauben, nur Allegorien oder im besten Falle Symbole vor sich zu haben. Dann hätte er alles mißverstanden. Dasselbe Motiv geht durch alle sieben Kapitäler: eine Kraft von oben und eine von unten, die sich erst entgegenstreben, dann, sich erreichend, zusammenwirken. Diese Kräfte sind in ihrer Fülle und in ihrem inneren Leben zu empfinden und dann ist von der Seele selbst zu erleben, wie sie lebendig gestaltend sich breiten, zusammenziehen, sich umfassen, verschlingen, aufschließen und so weiter. Man wird diese Komplikation der Kräfte fühlen können, wie man das «Sichgestalten» der Pflanze aus ihren lebendigen Kräften fühlt, und man wird empfinden können, wie die Kraftlinie erst senkrecht nach oben wächst in der Säule, wie sie sich unten entfaltet in den plastischen Gestalten der Kapitäler, welche sich den von oben ihnen entgegenkommenden Kräften öffnen und aufschließen, so daß ein sinnvoll tragendes Kapitäl wird. Erst entfaltet sich die Kraft von unten in der einfachsten Art, und ihr strebt ebenso einfach die Kraft von oben entgegen (Saturn-Säule); ![Saturn Column](images/Column-1-Saturn.webp) Saturn Column dann füllen sich die Formen von oben an, schieben sich in die Spitzen von unten hinein und bewirken so, daß die unteren Formen nach den Seiten ausweichen. Zugleich schließen sich diese unteren Formen zu lebendigen Gebilden auf (Sonnen-Säule). ![Sun Column](images/Column-2-Sun.webp) Sun Column Im ferneren wird das obere mannigfaltiger, eine Spitze, die hervorgetrieben war, wächst wie zu einem befruchtenden Prinzip aus, und das untere gestaltet sich zu einem Fruchtträger um. Das andere Kraftmotiv zwischen beiden ist zu einer tragenden Stütze geworden, weil das Verhältnis der Zwischenglieder nicht genug stark als Tragkraft empfunden würde (Mond-Säule). ![Moon Column](images/Column-3-Moon.webp) Moon Column Weiterhin tritt eine Abscheidung des Unteren und Oberen ein, die starken Träger des Mondkapitäls sind selbst säulenartig geworden, das dazwischenliegende Obere und Untere sind verwachsen zu einem Gebilde, von oben deutet sich ein neues Motiv an (MarsSäule). ![Mars Column](images/Column-4-Mars.webp) Mars Column Die aus der Verbindung des Oberen und Unteren entstandenen Gebilde haben Leben angenommen, erscheinen daher als von Schlangen umwundener Stab. Man wird empfinden müssen, wie dieses Motiv aus dem vorigen organisch herauswächst. Die mittleren Gebilde des Marskapitäls sind verschwunden; ihre Kraft ist von dem stützenden inneren Teile des Kapitäls aufgesogen; die vorher von oben kommenden Andeutungen sind voller geworden (MerkurSäule). ![Mercury Column](images/Column-5-Mercury.webp) Mercury Column Nun geht es wieder zu einer Art Vereinfachung, die aber die Frucht der vorhergängigen Vermannigfaltigung in sich schließt. Das Obere schließt sich kelchartig auf, das Untere vereinfacht das Leben in einer keuschen Form (Jupiter-Säule). ![Jupiter Column](images/Column-6-Jupiter.webp) Jupiter Column Der letzte Zustand zeigt diese «innere Fülle» bei der äußeren Vereinfachung aufs höchste. Die Wachstumsgestaltungen von unten haben von obenher ein fruchttragendes Kelchartiges hervorgelockt (Venus-Säule).","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Bilder okkulter Siegel und Säulen","site_heading":null,"date":"1907-10-21","location":null,"word_count":767,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/284/1907-10-21/p015","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/284/1907-10-21/p015"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/284/1907-10-21/p015","paragraph_aligned":true}],"figures":[{"file":"Column-1-Saturn.webp","alt":"Saturn Column","url":"https://anthroposophy.ai/ga/284/images/German/Column-1-Saturn.webp","in_source_tree":true},{"file":"Column-2-Sun.webp","alt":"Sun Column","url":"https://anthroposophy.ai/ga/284/images/German/Column-2-Sun.webp","in_source_tree":true},{"file":"Column-3-Moon.webp","alt":"Moon Column","url":"https://anthroposophy.ai/ga/284/images/German/Column-3-Moon.webp","in_source_tree":true},{"file":"Column-4-Mars.webp","alt":"Mars Column","url":"https://anthroposophy.ai/ga/284/images/German/Column-4-Mars.webp","in_source_tree":true},{"file":"Column-5-Mercury.webp","alt":"Mercury Column","url":"https://anthroposophy.ai/ga/284/images/German/Column-5-Mercury.webp","in_source_tree":true},{"file":"Column-6-Jupiter.webp","alt":"Jupiter Column","url":"https://anthroposophy.ai/ga/284/images/German/Column-6-Jupiter.webp","in_source_tree":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}