Der Ursprung der Architektur aus dem Seelischen des Menschen und Ihr Zusammenhang mit dem Gang der Menschheitsentwickelung
Also die vorhin angedeutete Frage bleibt bestehen, wonach wir beim ersten nachatlantischen Zeitraum in Zeiten zurückkommen müßten, in denen eine eigentliche Baukunst, wie für die späteren Zeiten, noch nicht möglich sein konnte. Aber dann kommen wir wie an einen merkwürdigen Grenzpunkt, auf den auch die äußere Forschung weist; wir kommen gewissermaßen auf ein Vorstadium der Baukunst: auf das Hineinbauen der Räume für religiöse, für gottesdienstliche Verrichtungen in Höhlen, hineingehauen in das Gestein, wie man es etwa in Indien oder auch in Nubien findet. Das ist in der Tat das Zeitalter, das auf der Grenze der Entwickelung des Seelischen aus dem Leiblichen steht. Diese Höhlenbauten bestätigen, was nach der Geistesforschung in bezug auf die Entwickelung des Seelischen erwartet werden muß: Erst in der Zeit der Menschheitsentwickelung, in der wir die Seelenentwickelung aus der Leibesentwickelung herauskommen sehen, sehen wir auch erst die wirkliche höhere Baukunst sich herausentwickeln aus dem, was vorher Felsenhöhlen, unterirdische Felsenhöhlen waren, welche man hineingehauen hatte in das Erdreich selber.
Cite:
GA 286/1913-02-05/p012 · edition original