7. Die Wahren Ästhetischen Formgesetze
Meine lieben Freunde! Wir haben in den letzten Auseinandersetzungen gesprochen über den Geist, von dem die Formen unseres Baues durchtränkt sein sollen. Sie werden aus alledem, was gesagt worden ist, entnommen haben, daß diese Formen auf der einen Seite ebensowenig auf irgendeiner Imitation der äußeren physischen Welt beruhen, wie sie auf der anderen Seite auf einer bloßen Spekulation, auf einem bloßen Ausdenken beruhen. Das Gefühl, die Empfindung werden Sie erhalten haben, daß die Formen gesucht sind aus dem Geiste, aus jener Geisteswelt, in welche der Mensch hineingegliedert ist, die der Mensch auf dem Erkenntniswege der Geisteswissenschaft allmählich zu gewinnen hoffen darf. Insbesondere möchte ich Sie noch einmal erinnern an einen wichtigen Umstand, den ich hervorgehoben habe. Das ist der, daß das menschliche Leben verläuft in Perioden, annähernd von sieben zu sieben Jahren, und daß, wenn wir diese siebenjährigen Perioden in ihrem Verlauf betrachten, wir sagen können - ich habe das letzte Mal versucht, Ihnen das aus der geisteswissenschaftlichen Kosmologie heraus zu erklären -: Der Mensch bekommt jedesmal nach sieben Jahren eine neue Stütze, so daß er, wenn er siebenmal sieben Perioden erlangt hat, das heißt um das fünfzigste Lebensjahr herum, sieben Paar solcher Stützen hat.
Cite:
GA 286/1914-07-05/p003 · edition original