7. Die Wahren Ästhetischen Formgesetze

GA 286/1914-07-05/p005 ·1914-07-05 · original (original)
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Es würde natürlich sehr, sehr weitgehend sein, wenn man alle Einzelheiten schon jetzt von diesem Gesichtspunkt aus betrachten wollte, aber sie könnten so betrachtet werden. In der äußeren Gegenwart, in der Gegenwart, die nichts von Geisteswissenschaft weiß, wird selbstverständlich noch wenig Verständnis zu finden sein für diese tieferen Gesetze alles Seins und Werdens. Und da wird man auch erfahren können, daß zum Beispiel irgend jemand die für ein äußeres Wissen ganz begreifliche Frage aufwirft: Ja, warum sind diese Säulen von verschiedenem Holz? - Wahrhaftig, etwas Allegorisches oder Symbolisches ist damit nicht gemeint, und derjenige, der diese Frage aufwirft, bedeutet uns mit dieser Frage nur, daß er eben niemals im Leben Gelegenheit hatte, über tiefere Weltgesetze nachzudenken, denn man müßte ihm die Antwort geben: Ja, warum betrachtest du es denn nicht als eine Notwendigkeit, daß auf einer Violine lauter A-Saiten angebracht sind? - Gerade dasselbe Verlangen, das der stellen würde, der auf einer Violine nur A-Saiten anbringen wollte, würde der stellen, vielleicht ganz unbewußt und ungeahnt, der aus einem oberflächlichen Wissen heraus beurteilen wollte, warum die Säulen aus verschiedenem Holz sind.

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