7. Die wahren ästhetischen Formgesetze
Nun müssen wir, wenn wir das, was eben jetzt weniger als ein Gedanke, vielmehr als Empfindung angeregt sein sollte, uns vor Augen halten, dann auch uns allmählich zu einer anderen Empfindung hindurcharbeiten können, zu der Empfindung: Ja, was geschieht denn eigentlich mit uns, wenn wir wahrhaft künstlerische Formen genießen? - Wir gehen aus uns heraus. Wir versenken uns mit unserer Seele in das, was kosmisch ist, was außer uns real ist. Daher ist es ganz und gar nicht unnatürlich, was in den letzten Betrachtungen ausgeführt wurde, daß ein Bau, der in die Gegenwart und Zukunft hineingehört, ganz bewußt darauf ausgehen muß, solche Formen zu schaffen, durch die der Mensch das Bewußtsein bloß physisch-sinnlicher Gegenwart überwindet und durch Architektur, Skulptur und all das, was an einem solchen Kunstwerk sein kann, sich geweitet fühlt ins kosmische Weltenall hinaus. Um aber für alle Gebiete der Kunst von dieser Empfindung durchdrungen sein zu können, dazu wird noch manches notwendig sein, damit es unsere Wissenschaft zugebe.
Cite:
GA 286/1914-07-05/p029 · edition original