7. Die Wahren Ästhetischen Formgesetze
Dann kam die Zeit für die Menschheitsentwickelung, wo das alte Hellsehen immer mehr heruntergegangen war; der Mensch wurde immer mehr und mehr herausgestellt in die bloße Wahrnehmung der äußeren Sinneswelt. Da kam nichts mehr herein in ihn von einer geistigen Welt aus. Es entstand die Notwendigkeit, woanders das herzunehmen, was man ausdrücken wollte. Ursprünglich lebte aller Antrieb zur Kunst in der eigenen menschlichen Wesenheit und ihrer Beweglichkeit. Erst hatte der Mensch dasjenige, was er der Welt gegenüber empfand, nachzumachen, nachzubilden versucht, indem er mit seiner Hand, in seiner Hand ausdrückte die Form, die in seine Hand gefahren ist wie eine Kraft aus dem Kosmos. Dann sollte er das, was er in Gebärden ausdrückte, umsetzen in irgendeine Form. Es fiel dem Menschen nicht ein, etwas nachzuahmen. Was in ihm lebte, was in ihm pulsierte, was aus dem Kosmos in ihn hineinwuchs und ihn durchglühte, durchtränkte, durchwogte und durchwebte, das wurde so zur Kunst ohne Nachahmung, indem das innere Leben, das in ihm fortwellte, ihm einfach in ihm selbst das Werkzeug führte. Der Kosmos führte selber in ihm das Werkzeug.
Cite:
GA 286/1914-07-05/p043 · edition original