{"corpus":"steiner","locus":"GA 288/1920-04-05/p014","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Diese Dinge, die werden natürlich im Zeitalter des Naturalismus gar nicht berücksichtigt, und man findet nicht die Möglichkeit, wirklich den Menschen wiederum hineinzustellen in den ganzen Natur- und Weltenzusammenhang. Das muss aber auch in der Kunst geschehen. Wenn die Kunst sich lange an das Modell gehalten hat, so ist das ja begreiflich; aber jetzt ist die Zeit vorüber, dass die Kunst sich ans Modell halten kann. Die Kunst muss zusammenwachsen mit den schaffenden Kräften der Natur und aus den schaffenden Kräften der Natur heraus arbeiten. Denn wozu braucht man denn eigentlich naturalistisch die Natur nachzuschaffen? Dasjenige, was naturalistisch der Natur nachgeschaffen ist, das kann ja die Natur niemals erreichen. Jede kleinste Leistung, die aus dem, was nicht sinnlich da ist, heraus gemacht wird, kann bedeutsamer sein als irgendetwas scheinbar noch so vollkommen der Natur Nachgeschaffenes. Man kann sich ja, wenn man etwas Realistisches will, sagen, dass man sich an die Natur selber halte. Und außerdem war auf vielen Gebieten der Naturalismus sogar etwas außerordentlich Frivoles. Man denke an Hauptmanns «Weber»: Die satten Menschen haben sich ins Theater gesetzt, um die ganzen Szenenreihen von Hauptmanns «Die Weber» zu übersehen. Das hat man «soziale Kunst» genannt, das Herausholen des Elendes aus dem Leben, im Theater angeschaut, etwas Frivoles, eine frivole Kulturerscheinung. So müssen wir eben wiederum ins Übersinnliche hinein. Die Menschen können sich heute schwer entschließen, in der Kunst ins Übersinnliche hineinzugehen. Aber es wird nicht hell in der Menschheit, wenn man sich nicht auf allen Gebieten zu so etwas entschließt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Hieroglyphe des Dornacher Baus II","site_heading":null,"date":"1920-04-05","location":null,"word_count":249,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/288/1920-04-05/p014","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/288/1920-04-05/p014"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/288/1920-04-05/p014","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}