Die Hieroglyphe des Dornacher Baus II
Alles dasjenige, was sonst in der Kuppel und überhaupt im Bau ist, es ist wie synthetisch zusammengefasst in dieser Ostgruppe, in dieser christusähnlichen Figur in der Mitte, Luzifer darüber, Ahriman darunter, was dann eben in der darunter stehenden Felsgruppe seine Vollendung erfahren wird. Man hat tatsächlich das ganze Menschengeheimnis als Geheimnis: Christus, Luzifer, Mensch, Ahriman, und dadurch eine Fortsetzung des Baugedankens, der sich fand in seinen verschiedenen Metamorphosen von der alten griechischen, gotischen Zeit bis zu uns. Der griechische Tempel, durchaus als Wohnhaus eines Gottes, hatte nur einen Sinn, indem er den Gott umschloss. Man kann sich seine Bauformen nicht denken anders denn als Wohnhaus des Gottes. Der mittelalterliche gotische Dom hat nur einen Sinn, wenn die Gemeinde darin ist, sonst ist er verlassen. Seine Bewandung weist darauf hin, dass er nur einen Sinn hat, wenn die Gemeinde darinnen ist. Hier drinnen soll dasjenige sein, was den Menschen zur Selbsterkenntnis führt, was den Menschen vorführt, was der Mensch ist: ein Wesen, das das Hypomochlion zu suchen hat zwischen dem Luziferischen und dem Ahrimanischen.
Cite:
GA 288/1920-04-05/p041 · edition original