{"corpus":"steiner","locus":"GA 292/1916-11-01/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn für solche ältere Zeiten, wie diejenige es auch ist, mit der wir heute wieder zu tun haben, davon gesprochen werden muß, daß Künstler wie Raffael, Michelangelo, Lionardo durchaus nicht einseitig Künstler sind, sondern das gesamte geistige Leben in ihrer Seele tragen und aus dem geistigen Leben, aus dem geistigen Leben ihrer Zeit heraus schaffen, so ist damit nicht gemeint, daß sie die Stoffe entnommen haben aus diesem geistigen Leben heraus, sondern es floß in das spezifisch Künstlerische ihres Schaffens, durchaus in Form- und Farbengebung floß hinein das Spezifische dessen, was man für die damalige Zeit eine Weltanschauung nennen kann. Für die gegenwärtige Zeit ist eine Weltanschauung eine Summe von Ideen, die, wenn man sie bildhauert oder malt, selbstverständlich durchaus verkörpert werden können in Formen, Farben und dergleichen, die für eine künstlerische Auffassung die größte Barbarei zeigen. In dieser Beziehung müssen ja immer wiederum gerade innerhalb unserer anthroposophischen Entwickelung Ermahnungen gewissermaßen gegeben werden; denn es ist nicht überall in unseren Kreisen verbreitet das Gefühl des eigentlich Künstlerischen. Ich erinnere mich mit Schaudern noch, wie im Anfang in unserer theosophischen Bewegung ein Mann einmal gekommen ist nach Berlin und hat Reproduktionen eines Bildes gebracht, das er gemalt hat: Der Buddha unter dem Bodhibaum. Nun ja, da saß eine verkrümmelte Gestalt unter einem Baume zwar, aber der Mann verstand von der Kunst so viel - verzeihen Sie den trivialen Ausdruck, aber er kann da gebraucht werden — wie der Ochs vom Sonntag, wenn er die ganze Woche Gras gefressen hat; der dachte, wenn man irgend etwas, was ein Motiv ist, eben hinmacht, so stellt das was dar. Es stellte auch das dar, nämlich derjenige, der sich die ganze Szene denkt — Buddha unter dem Bodhibaum -, der kann das ja sehen. Aber warum das eigentlich gemacht werden soll, wenn es so auftritt, dafür gibt es gar keine Gründe.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"2. Lionardo Michelangelo Raffael","site_heading":null,"date":"1916-11-01","location":null,"word_count":306,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/292/1916-11-01/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/292/1916-11-01/p005"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/292/1916-11-01/p005","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}