Siebenter Vortrag

GA 293/1919-08-28/p017 ·1919-08-28 · original (original)
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Die Empfindung ist also, wie sie im Menschen auftritt, wollendes Fühlen oder fühlendes Wollen. Daher müssen wir sagen: Da, wo sich äußerlich die menschliche Sinnessphäre ausbreitet - die Sinne tragen wir ja an der Außenseite unseres Leibes, wenn man sich grob ausdrükken darf -, da ist im Menschen in gewisser Weise fühlendes Wollen, wollendes Fühlen vorhanden. Zeichnen wir uns skizzenhaft den Menschen schematisch auf, so können wir sagen: An der äußeren Oberfläche des Menschen - ich bitte zu berücksichtigen, daß das alles schematisch gemeint ist —, da haben wir die Sinnessphäre, da ist wollendes Fühlen, fühlendes Wollen vorhanden (siehe Zeichnung S. 114). Was tun wir denn an dieser Oberfläche, wenn fühlendes Wollen, wollendes Fühlen vorhanden ist, soweit diese Körperoberfläche Sinnessphäre ist? Wir verüben eine Tätigkeit, die halb Schlafen und halb Traum ist; ein träumendes Schlafen, ein schlafendes Träumen könnten wir es auch nennen. Denn wir schlafen nicht nur in der Nacht, wir schlafen fortwährend an der Peripherie, an der äußeren Oberfläche unseres Leibes, und wir durchschauen als Menschen deshalb die Empfindungen nicht ganz, weil wir in diesen Gegenden, wo die Empfindungen sind, nur schlafend träumen und träumend schlafen. Die Psychologen ahnen gar nicht, daß es derselbe Grund ist, warum sie die Empfindungen nicht erfassen können, der uns auch hindert, wenn wir des Morgens erwachen, die Träume uns klar zum Bewußtsein zu bringen. Sie sehen, die Begriffe von Schlafen und Träumen haben eine ganz andere Bedeutung noch als die, welche wir im gewöhnlichen Leben anwenden würden. Wir kennen das Schlafen im gewöhnlichen Leben nur dadurch, daß wir wissen: in der Nacht, wenn wir im Bette liegen, schlafen wir. Wir wissen gar nicht, daß dieses Schlafen etwas ist, was eine viel größere Verbreitung hat, was wir fortwährend auch tun an unserer Körperoberfläche; nur mischen sich an unserer Körperoberfläche in das Schlafen fortwährend Träume hinein. Diese «Träume» sind die Sinnesempfindungen, bevor sie vom Verstande und vom denkenden Erkennen erfaßt sind.

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Cite: GA 293/1919-08-28/p017 · edition original