Fünfter Vortrag

GA 299/1920-01-02/p005 ·1920-01-02 · original (original)
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Und bei Wolfram von Eschenbach finden Sie eine charakteristische Redensart, die Ihnen zeigt, wie man damals erstens noch viel auf das Anschauliche gesehen hat, zweitens aber gewisse Empfindungsnuancen für gewisse Vorgänge und Dinge hatte, die heute solche Vorgänge und Dinge verächtlich machen. Wenn also Wolfram von Eschenbach in seriöser Art das Auftreten einer Herzogin vor einer männlichen Persönlichkeit schildert, so sagt er: ihre Erscheinung drang in das Auge dieser Persönlichkeit und durch das Auge in das Herz wie eine Nieswurz durch die Nase. Es ist anschaulich, denn der Geruch der Nieswurz strömt sehr anschaulich, man könnte sagen, sehr ruchbar durch die Nase; aber wir würden es heute nicht sagen. Daraus sehen Sie, wie die Gefühlswelt sich verwandelt hat, und diese Verwandlung der Gefühlswelt sollte man studieren, wenn man nicht materialistischeSprachwissenschaft treiben will.

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