Das Chaos

GA 30/35_chaos/p011 · original (original)

Ich bin (wie man aus meiner vor mehreren Jahren erschienenen «Philosophie der Freiheit» sehen kann) im Resultat mit Mongré insoweit einverstanden, als auch ich alle Weltbetrachtung auf die uns gegebene Erfahrungswelt einschränke, als auch ich jedes Denken über eine andere (transzendente) Welt ablehne. Aber mir ist auch unsere Welt zugleich die einzige, wovon wir zu reden berechtigt sind. Paul Mongré lehnt eine Metaphysik ab, weil ihr Inhalt das Chaos ist; ich lehne sie ab, weil nichts aus unserer Welt hinausführt und man nicht von dem redet, wovon zu reden keine Veranlassung ist. Aber ich komme auch nicht zum Nihilismus, weil ich mir nicht sage: da keine der denkbaren Welten vor einer anderen etwas voraus hat, muß auch unsere nicht existieren, kann sich also als Schein und Traumbild aus dem Chaos des Nichts herausheben, sondern ich sage mir: weil es außer unserer keine uns denkbare gibt, ist unsere notwendig, muß durch sich, nicht durch Auslese aus unendlich vielen so sein, wie sie ist.

Read this passage in another edition
DEoriginal
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/30/35_chaos/p011.json
Cite: GA 30/35_chaos/p011 · edition original