Zweiundzwanzigste Konferenz
RUDOLF STEINER: Das ist nun ja eine allgemeinere Frage. Es ist nicht gut, Dinge gerade jetzt in der projektiven Geometrie anzuwenden, die es nicht gibt. Es gibt keine Lichtstrahlen, noch weniger Schattenstrahlen. Das ist nicht nötig, dass man mit diesen Begriffen in der Projektionslehre arbeitet. Man sollte arbeiten mit gestalteten Rauminhalten. Es gibt nicht Lichtstrahlen und Schattenstrahlen. Es gibt Zylinder und Kegel. Es gibt [einen] Schattenkörper, der entsteht, wenn ich einen Kegel habe, der schief ist und von einem Punkt beleuchtet wird, und den Schatten auffallen lässt auf eine geneigte Ebene. Dann habe ich einen Schattenkörper, der da ist. Diesen Schattenkörper als solchen, die Kurvenbegrenzung des Schattenkörpers, das sollte auch schon das Kind verstehen. Geradeso, wie es später in der projektiven Geometrie verstehen muss, wenn ein Zylinder [einen anderen mit] kleinerem Durchmesser durchschneidet. Das ist ungemein nützlich, die Kinder dies zu lehren. Es bringt nicht ab vom Künstlerischen. Es lässt die Kinder im Künstlerischen. Es macht das Vorstellen geschmeidig. Man kann geschmeidig vorstellen, wenn man von vornherein weiß, was für eine Schnittkurve entsteht, wenn sich Zylinder durchschneiden. Das ist ganz wichtig, dass man diese Dinge bringt, aber nicht Abstraktionen.
Cite:
GA 300a/1921-01-16/p110 · edition original