2. Dreigliederung des menschlichen Wesens

GA 301/1920-04-21/p029 ·1920-04-21 · original (original)
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Nun, im Menschen lebt nicht allein das, was wir den Inhalt des Wachbewußtseins nennen können, sondern auch das Schlafesleben hat einen unmittelbaren Anteil an dem, was im Menschen lebt, es hat sogar einen noch viel größeren Anteil. Wer wirklich die menschliche Subjektivität beobachten kann, der findet, wenn er so richtig den Wachzustand sich zum Bewußtsein bringt, daß dieser Wachzustand eigentlich nur im Vorstellen faktisch vorhanden ist. Wir können unmöglich denselben Grad des Wachzustandes in dem menschlichen Fühlen suchen. Das menschliche Fühlen ist unmittelbar durchaus nicht in derselben Weise in unserem Bewußtsein vorhanden wie das menschliche Vorstellen. Das Fühlen hat vielmehr zu unserem Bewußtsein keine andere Beziehung als das Traumesleben. So sonderbar das klingt, so muß eben doch derjenige, der nun wirklich imstande ist, sich den Unterschied des Vorstellens und des Fühlens rein als Bewußtseinsphänomen klarzumachen, er muß darauf kommen, daß dieselbe Art des Erlebens vorliegt, wenn wir die Träume, die im Bewußtsein sind, wahrnehmen, wie beim Fühlen. Wir werden darüber noch genauer sprechen, heute wollen wir die Sache zunächst skizzieren.

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