3. Menschenerkenntnis als Grundlage der Pädagogik

GA 301/1920-04-22/p011 ·1920-04-22 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Diesen Zusammenhang über Zeiten hinüber, den fassen die Menschen gar nicht ins Auge, weil sie sich gar nicht klar sind, was wird, wenn die Anschauungen der einen Generation vererbt werden auf die nächstfolgende Generation — ich meine nicht bloß durch die physische Vererbung — und dann auf die weitere Generation. Der brave, bürgerliche Avenarius hat eine Philosophie gelehrt, die nach verhältnismäßig kurzer Zeit tatsächlich zur Barbarisierung Europas führen muß. Es handelt sich darum, daß man nicht bloß nach abstrakten Urteilen sich richtet, wenn man einsehen will, was für die Menschheitsentwickelung irgendeine Anschauung wert ist, sondern daß man hineinschauen kann in die Art und Weise, wie Anschauungen wirken. Darauf zu sehen, was in 20, 25, 30 Jahren wird aus dem, was wir im Schulzimmer tun, das ist eine wichtige Pflicht aller Pädagogik. Denn alle Pädagogik hat die Aufgabe, sich bewußt in die Menschheitsentwickelung hineinzustellen. Das kann man nicht ohne eine gründliche Menschenerkenntnis. Diese Menschenerkenntnis, die muß eine durch Geisteswissenschaft erneuerte Naturwissenschaft geben. Diese durch Geisteswissenschaft erneuerte Naturwissenschaft wird nicht ein Hirngespinst von Phantastereien sein, sondern sie wird gerade ein gutes Erkennen sein des menschlichen materiellen Organismus als physischen Träger des Seelen- und Geisteslebens.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/301/1920-04-22/p011.json
Cite: GA 301/1920-04-22/p011 · edition original