Zweiter Vortrag
Der Mensch ist jede Nacht im Schlaf unbewußt in dem Zustand, in dem man sein muß, wenn man geistig forscht. In dem Augenblicke, wo man einschläft, geht man mit seinem Geistig-Seelischen aus dem physischen Leibe heraus. In dem Augenblicke, wo wir aufwachen, gehen wir mit dem Geistig-Seelischen in den physischen Leib wiederum hinein. Wir sehen beim wachenden Menschen, wie er sich seiner Augen und Ohren bedient, wie er seine Glieder in Regsamkeit versetzt. Sowohl das Sich-Bedienen der Sinnesorgane wie das In-RegsamkeitVersetzen der Glieder geht aus von dem Geistig-Seelischen. Auch eine wahre Naturerkenntnis, wie wir sie heute noch nicht haben, lehrt, daß die physischen Äußerungen während des Wachens gehandhabt werden von dem Geistig-Seelischen, und daß nur eine Unterbrechung dieser Tätigkeit des Geistig-Seelischen vorliegt vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Auch dieser Unterschied zwischen dem Schlafen und dem Wachen ist noch zu fein für das an den naturwissenschaftlichen Methoden heranerzogene heutige Denken, das wir heute schon mit der kindlichen Erziehung aufnehmen. Denn im Schlaf ist der Mensch ganz und gar denjenigen Tätigkeiten seiner Organisation hingegeben, denen Mineral und Pflanze hingegeben sind.
Cite:
GA 309/1924-04-14/p008 · edition original