Zweiter Vortrag

GA 309/1924-04-14/p010 ·1924-04-14 · original (original)
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Daher geschieht auch während des Schlafes im Menschen etwas anderes als in der Pflanze. Aber um sich eine Vorstellung von dem zu machen, was da eigentlich vorgeht, muß man das Folgende sagen: Während des Wachens ist dem menschlichen Organismus das Geistig-Seelische eingegliedert. Dieses Geistig-Seelische zeigt, wenn man es beobachtet, zwar eine gewisse Ähnlichkeit mit dem ganzen Universum, dem ganzen Kosmos, aber eben nur eine Ähnlichkeit, so daß, wenn wir das Pflanzenwachstum beobachten, sich das Folgende herausstellt: Wir sehen im Frühling, wenn der Schnee zurückgegangen ist, von der Erde heraussprießen und sprossen die Pflanzen, sehen sie ihr Wesen entfalten. Wir sehen gewissermaßen das Pflanzenwachstum, das angewiesen war bis dahin auf die Kräfte, die sich seit dem vorjährigen Sonnendasein als Sonnenschein in der Erde angesammelt haben. Aus diesen in der Erde angesammelten Sonnenkräften — man kann es so sagen — werden die Pflanzenwesen im Frühjahr entlassen und vom äußeren Sonnenschein in Empfang genommen, durchgeführt durch die Sommerzeit, bis der Same herangereift ist. Dann geht im wesentlichen das Wachstum wieder über auf die Erde. Während des Sommers kommt dasjenige, was sonst Kraft der Sonne ist, in die Erde hinein, sammelt sich dort. In der Erde hat man fortwährend die angesammelte Sonnenkraft. Man braucht nur daran zu erinnern, daß man eigentlich jetzt die Kraft der Sonne, die einmal vor Jahrmillionen die zu Steinkohlen gewordenen Pflanzen beschienen hat, in den heutigen Ofen heizt. Kürzere Zeit bewahrt wird die Sonnenkraft in jedem Jahr in der Erde. So saugt die Pflanze während der Zeit bis zum Frühling hin noch Sonnenkraft von der Erde, wo sie bewahrt worden ist. Während des Sommers bekommt sie die Sonnenkraft direkt aus dem Kosmos. Dadurch tritt Rhythmus ein. Man kann sagen, der Rhythmus verläuft so für das Pflanzenleben: Erden-Sonnenkraft, kosmische Sonnenkraft; Erden-Sonnenkraft, kosmische Sonnenkraft und so weiter. Wie der Pendelschlag der Uhr wechselt die Pflanze mit kosmischen und irdischen Sonnenkräften.

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