Fünfter Vortrag

GA 309/1924-04-17/p010 ·1924-04-17 · original (original)
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Ich mußte da kürzlich in der Waldorfschule einen Mann herumführen, der sogar eine leitende Stellung auf dem Gebiete der Pädagogik hat. Wir besprachen auch manche Individualitäten einzelner Schüler; und da faßte dieser Mann das, was er beobachtet hat, in merkwürdiger Weise zusammen. Er sagte: Wenn das aber so werden soll, dann müßten die Lehrer Medizin studieren. — Ich sagte, man kann doch so gar nicht urteilen. Wenn es notwendig ist, eine gewisse Summe von medizinischer Kenntnis der Pädagogik einzufügen, dann muß es eben geschehen. Man kann doch unmöglich aus irgendwelchen traditionellen Gründen heraus sagen, das müßte sein. Es muß geschehen, es muß eine Kulturforderung werden, daß in der Tat Kulturmedizin und Kulturpädagogik einander in die Nähe gebracht werden, sich gegenseitig befruchten. All die Dinge, die gerade heute gefordert werden müssen, sind in vieler Beziehung recht unbequem, aber schließlich ist auch das Leben nach und nach recht unbequem geworden, und es zu heilen, wird auch schon eine recht unbequeme Sache werden.

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