Zweiter Vortrag
Gehen wir nun einmal davon aus, das, was ich jetzt angedeutet habe, an konkreten Beispielen zu studieren: Menschenkenntnis, wie sie sich ergibt aus der Betrachtungsart, die in der anthroposophischen Literatur niedergelegt ist, wie zum Beispiel in meinem Buche «Theosophie», in der «Geheimwissenschaft im Umriß» oder in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Gehen wir aus von dem, was man für eine wirkliche, konkrete Menschenerkenntnis gewinnen kann, wenn man das zugrunde legt, was eben Anthroposophie im allgemeinen über den Menschen und die Welt erkennen läßt. — Zwei Beispiele möchte ich da einmal voranstellen, die auch hier jedem wohlbekannt sein werden. Ich stelle sie aus dem Grunde voraus, weil für mich das Studium dieser zwei Persönlichkeiten, von denen ich ausgehen will, durch viele Jahre hindurch eine eingehende Beschäftigung gebildet hat. Ich nehme zwei geniale Persönlichkeiten; wir werden dann zu weniger genialen heruntersteigen. Wir werden daran sehen, wie Anthroposophie nicht nur im allgemeinen abstrakt herumredet, sondern imstande ist, auf konkrete Menschenwesen einzugehen und sie kennenzulernen, so daß Menschenerkenntnis sich zeigt als etwas, was wirklich im praktischen Leben drinnensteht. Ich wähle die beiden Beispiele: Goethe, Schiller, und möchte auf dem Umwege durch Goethe und Schiller zeigen, wie sich unter dem Einfluß von Geisteswissenschaft Menschenerkenntnis ergibt.
Cite:
GA 310/1924-07-18/p006 · edition original