Zweiter Vortrag

GA 310/1924-07-18/p014 ·1924-07-18 · original (original)

Da entsteht die Frage: Was liegt karmisch bei einem Menschen aus früheren Erdenleben her vor, der in dieser Weise an Krämpfen leiden muß? - Krämpfe sind, wenn sie ins menschliche Leben eingreifen, ungemein stark hinweisend auf das menschliche Karma. Wenn man vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus mit ernster,verantwortlicher wissenschaftlicher Untersuchung an Krampferscheinungen herangeht, so findet man immer, da liegt beim Menschen ein bestimmtes Karma vor, Ergebnisse von Taten, Gedanken und Gefühlen früherer Erdenleben. Jetzt hat man den Menschen im gegenwärtigen Leben vor sich. Nun kann zweierlei eintreten. Entweder es geht so harmonisch zu wie bei Goethe, daß man sich sagt: Da ist das Karma, da kommt alles zum Vorschein, was karmisches Ergebnis ist. — Es kann aber auch das andere eintreten, es kann der Mensch durch besondere Bedingungen, die sich für ihn beim Herabsteigen aus der geistigen Welt in die physische ergeben, in die Lage kommen, daß er das, was karmisch auf ihm lastet, nicht immer ganz ausleben kann. Der Mensch kommt aus der geistigen Welt mit bestimmten karmischen Voraussetzungen herunter; er trägt sie in sich. Nehmen wir an, bei A wäre für einen Menschen eine Stelle, wo er in einem bestimmten Zeitpunkte seines Lebens sein Karma irgendwie verwirklichen sollte; aber durch irgend etwas geht es nicht. Dann setzt er sozusagen mit Bezug auf die Verwirklichung seines Karma aus, und es muß eine kürzere Zeit verfließen, wo sein Karma aussetzt; er muß dies dann für das nächste Erdenleben verschieben. Dann geht es so weiter. Wieder kommt eine Stelle, bei B, wo er etwas von seinem Karma verwirklichen sollte; aber er muß wiederum aussetzen, muß wiederum etwas von seinem Karma auf das nächste Erdenleben verschieben. Immer nun, wenn man nötig hat, so sein Karma auszusetzen, entstehen krampfartige Erscheinungen im Leben. Man kann etwas, was man im Inneren trägt, nicht ganz herausbilden in sein Leben. - Das ist eben die Eigentümlichkeit der Geisteswissenschaft, daß sie nicht im Phantastischen herumschwimmt, nur so im Allgemeinen herumredet, der Mensch habe die vier Wesensglieder: physischer Leib, ätherischer Leib, astralischer Leib und Ich, sondern daß sie eingeht auf das wirkliche Leben und hinweisen kann auf etwas im physischen Leben, wo die wirklichen geistigen Ursachen für irgendwelche äußeren Ereignisse liegen, so daß sie weiß, wie der Mensch im äußeren Leben sich darlebt. Das ist das, was wirkliche Geisteswissenschaft eben können muß.

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