Zweiter Vortrag

GA 310/1924-07-18/p017 ·1924-07-18 · original (original)
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Man konnte sich immer wieder sagen: Dieser Mann hat in sich allerlei Großes, das er im vorirdischen Leben erworben hat, aber er kann es nicht herunterbringen. — Er konnte gut das herunterbringen, was man herausbringen kann in der Gestaltung des physischen Leibes bis zum Zahnwechsel, konnte sogar außerordentlich gut das aus sich herausbringen, was man dann vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife herausbringt; er wurde dann eine ausgezeichnete literarisch-künstlerische Persönlichkeit, indem er dasjenige herausgestaltete, was man herausgestalten kann zwischen der Geschlechtsreife und dem 30. Lebensjahr. Aber nun kam für den, der nun wirkliche Menschenerkenntnis erwerben kann, die große Sorge: Wie soll es mit dieser Persönlichkeit werden, wenn sie nun in die Dreißigerjahre kommt und dann immer mehr und mehr zu der Verstandes- oder Gemütsseele die Bewußtseinsseele herausbilden soll? Wer in dieser Richtung Erkenntnisse hat, bekommt in solchem Falle die größte Sorge, denn er kann sich nicht denken, daß die Bewußtseinsseele, zu deren Ausbildung man alles, was im Kopfe entspringt, vollständig intakt haben muß, voll herauskommen kann. Denn, daß bei dieser Persönlichkeit nicht alles im Kopfe gerade intakt war, das zeigte sich im Stottern. Und dieser Mann war zunächst äußerlich, mit Ausnahme seines Stotterns, kerngesund. Aber daß außer dem Stottern im Kopfe nicht alles intakt war, das zeigte sich darin, daß er außer Stottern noch Schielen hatte - wiederum ein Anzeichen dafür, daß man nicht alles, was man zwischen Tod und neuer Geburt im Überirdischen aufgenommen hat, im gegenwärtigen Erdenleben herausbringen kann. Eines Tages kam nun dieser Mann zu mir und sagte: Ich habe mir vorgenommen, mein Schielen operieren zu lassen. — Ich war nicht befugt, etwas anderes zu sagen als: Ich würde es nicht tun, wenn ich an seiner Stelle wäre. — Ich tat alles, um ihm abzureden. So genau wie heute sah ich damals in die Verhältnisse nicht hinein; denn das, was ich jetzt erzähle, liegt mehr als 20 Jahre zurück. Aber ich hatte große Sorge wegen dieser Operation. Nun, er ließ sich doch operieren, er folgte eben nicht. Und siehe da, schnell nach der Operation, die an sich, wie man es bei Operationen sehr häufig hat, außerordentlich gut verlief, kam er in voller Freude zu mir und sagte: Jetzt werde ich nicht mehr schielen! Ein bißchen eitel war er ja auch, wie manche bedeutende Persönlichkeit. Aber ich hatte meine große Sorge. Und nur nach Tagen starb der Mann, nachdem er das 30. Lebensjahr vollendet hatte. Die Ärzte diagnostizierten Typhus, aber es war gar nichts von Typhus vorhanden, sondern er starb an einer Hirnhautentzündung.

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Cite: GA 310/1924-07-18/p017 · edition original