Zweiter Vortrag

GA 310/1924-07-18/p021 ·1924-07-18 · original (original)

Die zweite Erscheinung, von der ich sprechen will, ist die folgende. Die «Malteser» bekommt er nicht fertig, kann nicht mit ihnen zurechtkommen. Er läßt Zeit vergehen, dichtet an allerlei Dingen, die gewiß bewundernswert sind, aber die auch schon bewundert werden können vom Philisterium. Die «Malteser», wenn er sie hätte ausführen können, wären etwas geworden für Menschen von höchstem geistigem Schwung! Er muß sie liegen lassen. Nach einiger Zeit tritt in ihm wiederum das auf, was den Impuls zu dem Späteren gegeben hat. An die «Malteser» kann er nicht wieder denken. Aber er beginnt, an seinem «Demetrius» zu dichten: ein merkwürdiges Schicksalsproblem, das vom falschen Demetrius, der an die Stelle eines andern getreten ist. Alle die Schicksalskonflikte, die da eintreten, wie aus den verborgensten Ursachen heraus, mit allen menschlichen Emotionen, mußten in dieses Drama hineinkommen, wenn es fertig würde. Schiller schreibt daran in einer geradezu fieberhaften Art. Es wird bekannt — und noch größere Furcht haben die Menschen davor, daß nun Dinge zum Vorschein kommen könnten, an denen viele ein Interesse hatten, daß sie eine Weile noch der Menschheit verborgen bleiben.

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