Zweiter Vortrag

GA 310/1924-07-18/p030 ·1924-07-18 · original (original)

Daraus kann man sehen, was zur Erziehung notwendig ist: eben Menschenerkenntnis. Aber nicht bloß eine solche, die bloß davon redet: der ist ein begabter Mensch, der ist ein guter, der ein schlechter Kerl, sondern eine solche, die am Menschenwesen verfolgt, was sich zum Beispiel geistig darlebt in der Sprache und es auch verfolgt bis in die physische Körperlichkeit hinein, so daß man nicht ein abstraktes Geistiges schaut, sondern eines, das sich im physischen Bilde des Menschen zum Ausdruck bringt. Dann kann man auch als Erzieher eingreifen, kann nach Geist und Körper eingreifen und kann dem Physischen so zu Hilfe kommen, daß es eine richtige Grundlage für das Geistige abgeben kann. Und wenn man dann ein Kind sich von hinten anschaut und sieht, es hat kurze Beine, es lastet der Oberkörper zu schwer, es tritt stark auf — hat man sich für diese Dinge den richtigen Blick angeeignet, dann weiß man: Da spricht ja das vorherige Erdenleben, da spricht Karma! — Oder hat man einen Menschen, der so geht, wie zum Beispiel Johann Gottlieb Fichte, der deutsche Philosoph, gegangen ist, der niemals mit etwas anderem zuerst auftrat als mit den Fersen, und auch wenn er redete, redete er Worte, die gleichsam «mit den Fersen auftraten», dann sieht man an einem solchen Menschen, wie Karma sich ausspricht.

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