Vierter Vortrag
Das ist eine Betrachtungsweise, die unmittelbar von der Physik sogar in die Psychologie hineinführt. Bedenken Sie, was man heute als Seelenlehren hat; man hat Seelenlehren, die rein auf Spekulation beruhen. Man denkt nach und findet, das Seelische sei da, das Körperliche sei da. Nun fragt man: Wirkt das Körperliche auf das Seelische verursachend oder wirkt das Seelische auf das Körperliche verursachend? -— Kommt man mit beiden nicht zurecht, so erfindet man so etwas außerordentlich Groteskes wie den psychophysischen Parallelismus, wo man sich vorstellt, daß die beiden Äußerungen, Körperliches und Seelisches, parallel gehen, nebeneinander. Man erklärt aber damit nicht das Zusammenwirken der beiden, sondern spricht nur von einem Parallelismus. Es ist das nur ein Zeichen dafür, daß man aus der Erfahrung nichts über diese Dinge weiß. Würde man Erfahrungen haben, so würde man sagen: In den ersten 7 Lebensjahren des Kindes sieht man ja das Seelische im Körperlichen wirken. — Wie es da wirkt, das muß man durch Anschauung kennenlernen, nicht durch philosophische Spekulationen oder dergleichen. Die Anthroposophie als Erkenntnismethode weist alle Spekulationen zurück und geht überall auf Erfahrung, allerdings auf physische und geistige Erfahrung.
Cite:
GA 310/1924-07-20/p014 · edition original