{"corpus":"steiner","locus":"GA 310/1924-07-20/p024","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Fast unsere ganze Erkenntnisanschauung wimmelt. heute von solchen irrealen Anschauungen. Daher sind wir in Naturbetrachtungen hineingekommen, die ganz abstrakt sind, die in ihrer Abstraktheit zum Teil auch berechtigt sind, wie zum Beispiel die Relativitätstheorie. Aber wer real denken kann, der kann Begriffe nicht bloß in der Abstraktion so fortlaufen lassen, sondern er merkt, wo die Begriffe anfangen sich nicht mehr auf eine Realität zu beziehen. Das tut ihm dann weh. - Sie können natürlich ganz gut den Gesetzen der Akustik nachgehen und können sagen: Wenn ich einen Schall errege, so hat die Verbreitung des Schalles eine gewisse Geschwindigkeit. Wenn ich den Schall irgendwo an einer bestimmten Stelle höre, so kann ich berechnen, wie er sich in einer bestimmten Zeit fortpflanzt. Bewege ich mich nun in irgendeiner Geschwindigkeit in der Fortpflanzungsrichtung des Schalles, so höre ich ihn später; wird meine Geschwindigkeit größer als die des Schalles, so höre ich ihn überhaupt nicht; gehe ich aber dem Schalle entgegen, so höre ich ihn früher. Die Relativitätstheorie hat ihre bestimmte Berechtigung. Aber danach kann auch folgendes sein: bewege ich mich nun so, daß ich, dem Schalle entgegen, schneller gehe, als der Schall läuft, dann komme ich schließlich auch darauf hinaus, daß ich den Schall eher höre, ehe es geknallt hat! So etwas spürt der, der eine wirklich realistische Denkweise hat. Ein solcher weiß auch, daß es ganz richtig, wunderbar logisch gedacht ist, daß eine Uhr mit Lichtgeschwindigkeit in den Weltenraum hinausgeworfen wird und von dort wieder zurückkommt, nach dem berühmten Vergleich, der von Einstein gegeben worden ist. Man kann so wunderbar ausdenken, wie da an der Uhr sich nichts verändert habe. Aber für einen realistischen Denker stellt sich die Frage ein: Wie dann die Uhr ausschaut, wenn sie zurück-kommt? — denn er trennt nicht sein Denken von der Wirklichkeit, er steht immer in der Wirklichkeit drinnen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierter Vortrag","site_heading":null,"date":"1924-07-20","location":null,"word_count":303,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/310/1924-07-20/p024","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/310/1924-07-20/p024"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/310/1924-07-20/p024","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}