Zehnter Vortrag
Wir brauchen nur in der Entwickelung der Menschheit zurück zuschauen auf diejenigen alten Zeiten, in denen sich Mysterienstätten da und dort gefunden haben, in denen Religion, Kunst und Wissenschaft aus den Erfahrungen des Geistes heraus gepflegt worden sind, und wir werden gewahr, wie in jenen alten, ehrwürdigen Stätten die Menschen sozusagen mit den Wesen der übersinnlichen Welt verkehrt haben, um spirituelles Leben in das äußere physische Leben hineinzutragen. Wir können in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit weiterschreiten, und immer wieder und wieder finden wir den Drang, zu dem, was der Mensch mit seinen Sinnen wahrnehmen kann, das hinzuzufügen, was Übersinnliches ist. Das ist gewissermaßen diejenige Perspektive, die sich eröffnet, wenn wir die Entwickelungsgeschichte der Menschheit durchstreifen und sehen, wie das, was heute in der Anthroposophie lebt, ein Ewiges im menschlichen Streben ist. Aber als Anthroposophie lebt es eben aus den Sehnsuchten, aus den Bestrebungen der Herzen und der Seelen der Menschen der Gegenwart heraus. Und es darf schon gesagt werden: Um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert ist es möglich geworden, wenn man nur will, Offenbarungen aus der geistigen Welt heraus zu empfangen, die wiederum die ganze Weltanschauung der Menschheit vertiefen werden.
Cite:
GA 310/1924-07-24/p005 · edition original