Zweiter Vortrag
Nun besteht aber nicht bloß ein solches abstraktes Entsprechen, sondern es besteht zu gleicher Zeit im gesunden Organismus ein inniges Zusammengehören des Oberen und des Unteren. Es besteht ein solches Zusammengehören im gesunden Organismus, daß das Obere, irgendeine obere Tätigkeit, sei es eine Tätigkeit, die zusammenhängt mit dem Atmen, sei es eine Tätigkeit, die zusammenhängt mit dem Nerven-Sinnes-Apparat, irgendwie ein Unteres bezwingen muß, mit einem Unteren in vollem Einklang sich abspielen muß. Und es besteht sofort — und das wird uns später führen auf ein wirkliches Begreifen des Krankheitsprozesses — eine Unregelmäßigkeit im Organismus, wenn irgendwie die Vorherrschaft gewinnt, die Oberherrschaft gewinnt ein Unteres, so daß es zu stark ist für die entsprechende Tätigkeit im Oberen, oder ein Oberes, so daß es zu stark ist für eine entsprechende Tätigkeit im Unteren. Es müssen sich immer die Tätigkeiten des Oberen zu den Tätigkeiten des Unteren so verhalten, daß sie in einer gewissen Weise einander entsprechen, daß sie einander bezwingen, daß sie so zueinander verlaufen, wie sie, ich möchte sagen, zueinander orientiert sind. Da gibt es eine ganz bestimmte Orientierung. Sie ist individuell für die verschiedenen Menschen, aber es gibt eine ganz bestimmte Orientierung des ganzen oberen Verlaufes der Prozesse zu dem ganzen unteren Verlauf der Prozesse.
Cite:
GA 312/1920-03-22/p007 · edition original