{"corpus":"steiner","locus":"GA 312/1920-03-22/p022","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"So sehen Sie, wie ein sorgfältiges Studieren aller Vorgänge, die mit dem ganzen Wachsen und Werden des gesund-kranken menschlichen Organismus zusammenhängen, doch dazu führt, daß man sagen kann: es besteht auch eine Wechselwirkung zwischen Krankheitserscheinungen. Abmagern ist zunächst eine Krankheitserscheinung. Aber in seiner Beziehung zur Tuberkuloseanlage, also zur schon doch etwas wirkenden Tuberkulose, ist das Abmagern etwas, was dazugehört. Und es besteht, ich möchte sagen, eine Organisation, eine ideelle Organisation der Krankheitserscheinungen. Eine Krankheitserscheinung gehört in gewissem Sinne zur anderen Krankheitserscheinung dazu. Das bedingt dann, daß es ganz rationell ist, wenn durch andere Bedingungen des Organismus hervortritt so etwas wie eine Reaktion — bleiben wir bei der Tuberkuloseanlage —, der Organismus aber selbst nicht die Kraft hat, diese Reaktion hervorzurufen, daß man ihm zu Hilfe kommt und sie dann gerade hervorruft, daß man dann gerade der einen Krankheit die andere folgen läßt. Die alten Ärzte haben dieses ausgesprochen als eine, ich möchte sagen, bedeutungsvolle Erziehungsregel für den Arzt. Sie haben gesagt: Das ist das Gefährliche beim Arztsein, daß er nicht bloß in der Lage sein muß, Krankheiten zu vertreiben, sondern auch Krankheiten hervorzurufen. — Und in demselben Maße, als der Arzt Krankheiten heilen kann, kann er sie auch hervorrufen. So daß also die Alten, die noch etwas mehr gewußt haben über solche Zusammenhänge aus ihrem atavistischen Hellsehen heraus, in dem Arzt zu gleicher Zeit gesehen haben den, der, wenn er böswillig wird, die Menschen nicht nur gesund, sondern auch krank machen kann. Aber es hängt das zusammen mit der Notwendigkeit, gewisse Erkrankungszustände hervorzurufen, um sie in das rechte Verhältnis zu anderen Erkrankungszuständen zu bringen. Aber es sind doch eben Krankheitszustände. Und all das: Husten, Halsschmerz, Brustschmerz, Abmagerungserscheinungen, Ermüdungserscheinungen, Nachtschweiße, sind doch eben Krankheitserscheinungen. Man muß sie hervorrufen, aber sie sind doch eben Krankheitserscheinungen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-03-22","location":null,"word_count":293,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/312/1920-03-22/p022","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/312/1920-03-22/p022"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/312/1920-03-22/p022","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}