Spiritual Science and Medicine

GA 312/1920-03-24/p004 ·1920-03-24 · original (original)

Zu gewiß unserer tiefsten Befriedigung sind gestern hier zahlreiche sehr lehrreiche Fälle angeführt worden von ganz bestimmten Heilungen. Nun kann ich Ihnen ein sehr einfaches Mittel angeben, wodurch diese Heilungen viel seltener und seltener werden würden. Aber nur aus dem Grunde möchte ich dieses Mittel angeben, damit Sie es nicht gerade gebrauchen — und es liegt so nahe, es zu gebrauchen. Ich kann von diesem Mittel natürlich nur in einem Kreise von anthroposophisch vorgebildeten Persönlichkeiten sprechen. Dieses Mittel würde darinnen bestehen, daß Sie alle Hebel in Bewegung setzen würden, um die Ritiersche Therapie zu einer allgemeinen Angelegenheit zu machen. Sie berücksichtigen bei den Heilerfolgen nicht, daß Sie als einzelne Ärzte dastehen. Ja, vielleicht mag gewiß der Einzelne sich dessen bewußt sein, daß Sie als einzelne Ärzte dastehen, zu kämpfen haben gegen die große Masse der anderen Ärzteschaft und daß Sie in dem Augenblicke, wo Sie die Rittersche Therapie zu einer Universitätsangelegenheit machen, wo Sie durchsetzen würden, daß Sie nicht mehr in der Opposition ständen, sondern daß von - ich will gar nicht einmal sagen allen —, sondern von sehr vielen so geheilt werden würde, Sie die Erfahrung machen würden, daß Ihre Heilerfolge sich beträchtlich zurückzögen. So sonderbar sind die Dinge im wirklichen Leben. Die Dinge sind nämlich zuweilen ganz anders, als man sich sie vorstellt. Als einzelner Arzt hat man selbstverständlich das größte Interesse, den einzelnen Menschen zu heilen, und die moderne materialistische Medizin hat sich in dieser Weise sogar, ich möchte sagen, eine Art Rechtsgrund ausgesucht, um nur ja darauf losgehen zu müssen, den einzelnen Menschen zu heilen. Ja, aber dieser Rechtsgrund besteht darin, daß man sagt: Es gibt überhaupt keine Krankheiten, sondern kranke Menschen. Selbstverständlich, wenn die Menschen auch in bezug auf die Krankheit so isoliert wären, wie das äußerlich aussieht heute, dann würde dieser Rechtsgrund ein wirklicher Grund sein. Aber das, was wirklich stattfindet, ist, daß die Menschen tatsächlich nicht so isoliert sind, daß solche Dinge eine große Bedeutung haben, wie das gestern von Ihnen, Herr Dr. Ederle, Angeführte, daß gewisse Krankheitsspannungen ganze breite Territorien umfassen, und daß Sie niemals konstatieren können, wenn Sie einen Einzelnen geheilt haben, wie vielen anderen Sie vielleicht die Krankheit in einem anderen Falle aufgehalst haben. Sie stellen sich nicht den einzelnen Krankheitsfall in den ganzen Prozeß hinein, und daher sind solche Dinge im einzelnen außerordentlich frappierend. Aber derjenige, der das Ganze des Heiles der Menschheit im Auge hat, der muß, ich möchte sagen, doch aus einer anderen Ecke heraus sprechen.

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