Spiritual Science and Medicine
Nun könnte man, ich möchte sagen, diese Sache schön novellistisch ausführen. Man könnte sagen, wenn wir unseren Blick richten auf all das, was uns umgibt als schöne Flora der Welt, so sind wir hoch erfreut, ganz hoch erfreut, mit Recht. Anders, wenn wir ein Schaf öffnen und unmittelbar nach dem Öffnen gleich von einer anderen Flora erfahren, die ganz entschieden auch ihre Entstehungsursache in ähnlicher Art hat, wie die Entstehungsursachen der äußeren Flora sind, wenn wir dadurch, daß wir ein Schaf öffnen nach dem Tode, den ganzen Verwesungsgeruch des Inneren dieses Schafes auf uns zuduftend finden, da sind wir über die Entstehung der intestinalen Flora, der Darmflora, ganz gewiß weniger erfreut. Und darauf ist es nötig, sein Hauptaugenmerk zu richten. Denn da ist es handgreiflich, wie einfach dieselben Ursachen, die draußen in der außermenschlichen Natur die Flora in die Wege leiten, im Menschen bekämpft werden müssen, wie da die intestinale Darmflora nicht entstehen darf. Denn hier eröffnet sich ein außerordentlich weites Forschungsgebiet, und jüngeren Medizinern, die noch im Studium sind, möchte ich es empfehlen, für ihre Doktorarbeiten ja recht viel aus diesem Gebiete zu verwenden, vor allen Dingen viel aus diesem Gebiete der vergleichenden Forschung über die Darmgestaltung bei den Formen der verschiedenen Tiere, über die Säugetiere herauf bis zum Menschen. Da wird sich ein außerordentlich reiches Feld ergeben, denn auf diesem Gebiete ist noch vieles außerordentlich Wichtige nicht erforscht. Versuchen Sie vor allen Dingen einmal, dahinter zu kommen, warum ein Schaf durch seine Darmflora, wenn wir es öffnen, so furchtbaren Verwesungsgeruch ausduftet und warum das selbst bei den aasfressenden Vögeln nicht der Fall ist, die, wenn man sie öffnet, verhältnismäßig angenehm sogar riechen.
Cite:
GA 312/1920-03-24/p008 · edition original