Spiritual Science and Medicine
Gehen Sie einmal, sagen wir, durch eine Lindenblütenallee und versuchen Sie sich recht klarzumachen, wie Sie in dieser Lindenblütenallee durch den Duft der blühenden Linden hindurchgehen. Machen Sie sich klar, daß nun ein Prozeß sich abspielt zwischen all dem, was sich, sagen wir, nervenartig in Ihre Geruchsorgane ausbreitet, und diesem Lindenblütenduft. Dann haben Sie, wenn Sie auf diesen Prozeß des Wahrnehmens des Lindenblütenduftes hin Ihre Aufmerksamkeit wenden, gewissermaßen das Aufschießen des Innern, des Geruchsfähigen gegen den Lindenblütenduft, den Lindenblütengeruch, und Sie müssen sich sagen: Da spielt sich ein Prozeß ab, der ein Inneres einem Äußeren entgegenbringt, die irgendwie etwas miteinander vollbringen durch ihre innere Verwandtschaft. Und Sie müssen sich sagen: Dasjenige, was sich durch den Lindenblütenduft draußen zerstreut, was zweifellos auf einer Wechselwirkung der Flora mit der ganzen außerirdischen Umgebung beruht, der sich nach der außerirdischen Umgebung hin aufschlieBenden Flora, das wird gewissermaßen verinnerlicht in der Geruchswahrnehmung selber. Da haben Sie innerlich, weil Sie ja die Sache wahrnehmen, ganz zweifellos etwas gegeben, was vom Ätherleib aus auf den astralischen Leib wirkt, denn sonst könnten Sie nicht wahrnehmen, sonst wäre es ein bloßer Lebensprozeß. Der Geruchsvorgang selbst bezeugt einem, daß der astralische Leib daran beteiligt ist. Aber dasjenige, was Ihnen die Verwandtschaft enthüllt mit der Außenwelt, zeigt Ihnen zugleich, daß das Entstehen jenes süßlichen Geruches, den die Lindenblüten ausströmen, in einem gewissen Sinne verwandt ist, polarisch ist zu dem, was in Ihrem Geruchsorgan vor sich geht. Und in der Tat haben wir in diesem sich verbreitenden süßlichen Geruche der Lindenblüten die Wechselwirkung des Pflanzlich-Ätherischen mit dem Umliegenden gegeben, den allgemeinen Weltenraum durchfüllenden Astralischen. Wir haben daher in unserem Riechen einen Prozeß, der sich so abspielt, daß wir durch diesen Prozeß an dem teilnehmen, was verwandt ist in der Flora mit dem außertellurischen Astralischen.
Cite:
GA 312/1920-03-28/p009 · edition original