Spiritual Science and Medicine
Es entspricht also dem, was der gesamte Geschmacksvorgang sowohl wie Sehvorgang ist, etwas Äußeres, das mit dem Inneren zusammenwirkt. Es muß sich also der Vorgang gewissermaßen nach oben hin metamorphosieren. Eine Metamorphose des Schmeckvorganges ist der Sehvorgang. Aber es muß dann auch nach unten in den Körper hinein eine Metamorphose des Schmeckvorganges geben. Wir müssen, während wir im Sehvorgang mehr nach der Außenwelt steigen — das Auge ist eingeschlossen nur in der Knochenhöhle und wir kommen da nach außen, das Auge ist ein sehr äußerliches Organ, es wird der Sehvorgang mehr nach dem Äußeren hin organisiert —, jetzt nach der entgegengesetzten Seite uns die Metamorphose des Schmeckvorganges nach unten in den Organismus hineindenken. Wir kommen dann gewissermaßen zum anderen Pol des Sehens, zu dem, was im Organismus dem Sehvorgang entspricht, auf etwas, was uns ungeheuer viel Licht werfen wird in den folgenden Betrachtungen. Denn was ist nun da gegeben, wenn wir die Metamorphose des Geschmacksvorganges nach unten verfolgen? Da ist nämlich die Verdauung bedingt, und Sie kommen zu einem wirklichen innerlichen Verstehen der Verdauung nur, wenn Sie sich auf der einen Seite das Sehen als eine metamorphosierte Fortsetzung des Schmeckens vorstellen, auf der anderen Seite die Verdauung als metamorphosierte Fortsetzung des Schmeckens, aber so, daß Sie die Verdauung in ihrem vollen polarischen Gegensatz zu dem veräußerlichten Sehen aufzufassen vermögen, denn das veräußerlichte Sehen führt Sie gerade darauf hin, zu erkennen, was in der Außenwelt dieser Verdauung entspricht, von was die Verdauung organisch eine Verinnerlichung ist. Auf der anderen Seite werden Sie gewahr, wie der Verdauungsvorgang verwandt gedacht werden muß dem Schmeckvorgang. Sie können einfach die intimen Wirksamkeiten im menschlichen Organismus, insofern sie auf den Verdauungsprozeß hin lokalisiert sind, gar nicht verstehen, wenn Sie sich nicht den gesamten Verdauungsprozeß so vorstellen, daß das gute Verdauen auf einer Fähigkeit beruht, die gewissermaßen mit dem ganzen Verdauungstrakt zu schmecken versteht, daß das schlechte Verdauen gewissermaßen auf der Unfähigkeit beruht, mit dem ganzen Verdauungsapparat zu schmecken.
Cite:
GA 312/1920-03-28/p019 · edition original