Spiritual Science and Medicine
Für denjenigen, dessen Aufgabe das Heilen ist, sollte eine Grundempfindung dadurch entstehen, daß er betrachtet den manchmal ganz merkwürdig einem entgegentretenden Zusammenhang äußerer, also außermenschlicher 'Tatbestände und innermenschlicher Tatbestände. Denn durch diese Betrachtung gehen ja ganz bedeutsame Intuitionen gerade für das Heilmittelwesen auf. Ich möchte, um ein naheliegendes Beispiel zu erwähnen, nur daran erinnern, wie zum Beispiel eine solche Substanz wie das RoncegnoWasser oder das Levico-Wasser geradezu — vergleichsweise geredet — durch einen guten Geist zubereitet ist, um so mancherlei Kräfte, die im menschlichen Organismus eine günstige Rolle spielen können, unter gewissen Umständen schon in der außermenschlichen Natur vorzubereiten. Wenn wir daran denken — und wir werden in den nächsten Tagen solche Sachen noch eingehend charakterisieren —, wie in diesem Wasser in einer ganz wunderbaren Weise die beiden Kräfte des Kupfers und des Eisens gegeneinander abkompensiert sind, und wie dann, um dieses Abkompensieren wiederum, ich möchte sagen, auf eine breitere Basis zu stellen, das Arsen dadrinnen ist, so sagt man sich: da ist etwas in der Außenwelt geradezu präpariert für gewisse Zustände des Menschen. Es kann durchaus vorkommen, daß solche Dinge bei diesen oder jenen Menschen auch außerordentlich stark ungünstig wirken. Aber gerade auch an den negativen Fällen wird sich die allgemeine Fruchtbarkeit des allgemeinen Prinzips zeigen. Man muß, wenn man über solche Dinge redet, insbesondere heute darauf aufmerksarm machen. Denn an der Betrachtung solcher Dinge wird sich eine Möglichkeit ergeben, gewissen Krankheitserscheinungen zu begegnen, die eigentlich in ihren Symptomen im Grunde erst heute auftreten. Vergessen wir nur ja nicht, wie von allen Seiten jetzt bei wirklich unbefangenen Beobachtern die Erkenntnis auftritt, daß ganz besondere Verhältnisse jetzt, man möchte sagen, über Teile der Erde ziehen und ganz besondere Formen des menschlichen Erkrankens hervorrufen. Und vergessen wir auch nicht, daß eine andere Erscheinung von großem Interesse in der Gegenwart sein muß, das ist diese, daß ja zweifellos selbst so etwas wie die gewöhnliche Grippe, wie sie heute auftritt, eine höchst eigentümliche Eigenschaft hat. Sie weckt nämlich eigentlich schlafende Krankheiten, Krankheiten, zu denen der Organismus inkliniert und die sonst durch die entgegenwirkenden Kräfte des Organismus in den Verborgenheiten bleiben, die also unter Umständen bis zum Tode sogar schlafen könnten, die werden in einer gewissen Weise dadurch aufgedeckt, daß der Mensch von der Grippe befallen wird.
Cite:
GA 312/1920-04-01/p003 · edition original